Gesundheit ist politisches Thema geworden. Irrwitziger Wirrwarr, das wäre eine passende Bezeichnung für das, was in den letzten Jahrzehnten mit unserem Gesundheitssystem passiert ist. Ärzte verschreiben nichts mehr, was nicht unbedingt sein muss; lediglich auf Privatrezept bekommt man, was man will. Man munkelt, dass auch die Behandlungen vom Arzt beim Nachweis einer privaten Versicherung tatsächlich ausführlicher ausfallen.
Kranke Menschen kaufen Medizin im Internet, lassen sich die Zähne nicht mehr reparieren, aus Angst vor den Kosten. Die Brille auf der Nase hat bei vielen auch schon bessere Zeiten gesehen. Wann immer man es vermeiden kann, spart man sich, dank der 10 Euro Praxisgebühr, sogar den Besuch beim Hausarzt. Weswegen sollte man auch wegen einer Grippe noch zum Arzt gehen, wenn alle Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen? Wird etwas auf Rezept verordnet, sind die Zuzahlungen teurer denn je. Also, am besten gleich gar nicht mehr zum Arzt gehen. Gesundheit ist ein Luxus geworden – traurig aber wahr.
Nun wird die Gesundheit gleich nochmal um acht Euro teurer. Viele, die in letzter Zeit einmal nachgerechnet haben, sind schockiert. Neben den Kassenbeiträgen, die vom Lohn abgezogen werden, kommen nun noch 40 Euro Praxisgebühr und 96 Euro plus Zuzahlungen je Rezept dazu. Kassenflucht wird auf Dauer nicht viel bringen, denn die, die die Zusatzgebühr noch nicht erhoben haben, werden bald nachziehen. Tolle Aussichten, wenn die Bundeskanzlerin verkündet, die Lohnnebenkosten dürfen 40 Prozent nicht überschreiten. Leider bleibt dem normalen Patienten, der seine Gesundheit bewahren möchte, nicht mehr, als zum Arzt zu gehen, sich ein Rezept oder eine Behandlung verschreiben zu lassen, und in der Apotheke zu bluten. Falles er sich das noch leisten kann.
