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Anstieg der psychischen Erkrankungen

Juli 8th, 2010 · No Comments

Die längsten Fehlzeiten bei Arbeitnehmern sind durch die psychischen Erkrankungen zu verzeichnen, die stetig zunehmen. Der Druck am Arbeitsplatz wächst ständig, aus Angst um den Verlust der Arbeit, erkranken immer mehr Arbeitnehmer psychisch. Die AOK gab eine Studie in Auftrag, die das hervor brachte.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK, kurz Wido, erstellte mit der Universität Bielefeld einen „Fehlzeiten Report 2010“, der insgesamt 491 Seiten umfasst. Daraus geht hervor, dass deutsche Arbeitnehmer vermehrt wegen psychischer Erkrankungen ihrem Arbeitsplatz fernbleiben müssen. Für die Studie wurden die Daten von insgesamt 9,7 Millionen berufstätigen Mitgliedern der AOK zugrunde gelegt.

An erster Stelle der ausgefallenen Arbeitstage stehen zwar noch immer die Skelett- und Muskelerkrankungen, mit genau 23 Prozent, als Grund für die Arbeitsunfähigkeit. Jedoch haben die psychischen Erkrankungen stark aufgeholt und stehen bereits an vierter Stelle. Sie stehen noch mit 8,6 Prozent vor den Erkrankungen des Verdauungstraktes und Herz sowie Kreislauf.

Längere Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen

Helmut Schröder, der stellvertretende Geschäftsführer des Wido und gleichzeitig der Mitherausgeber der Studie, sagte, dass ein Arbeitnehmer fast 23 Tage wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig ist, dagegen sind es bei einer Erkrankung der Atmungswege durchschnittlich 6,5 Tage. Die häufigste Ursache für den vorzeitigen Rentenbeginn sind heute die psychischen Erkrankungen. Den vorzeitigen Ausstieg aus dem Beruf begründete im Jahr 2007 jeder dritte Arbeitnehmer mit schweren Depressionen oder anderen Störungen, die sich auf die Seele auswirken.

Der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte von der SÜDWEST PRESSE, Wolfgang Panter äußerte sich zu dieser Problematik dahingehend, dass die Öffentlichkeit heute offener umgeht mit diesen Erkrankungen. Bei den Erkrankungen kommt es immer darauf an, wie sich die Situation am Arbeitsplatz gestaltet und wie der Einzelne damit umgehen kann.

Die Zahl der Arbeitsunfähigkeit stieg trotz der Wirtschaftskrise an, 2008 waren 4,6 Prozent der Arbeitnehmer aufgrund von psychischen Erkrankungen nicht arbeitsfähig und im darauffolgenden Jahr schon 4,8 Prozent. Im Durchschnitt war ein Mitglied der AOK 2009 17,3 Tage arbeitsunfähig. In Krisenzeiten sinkt eigentlich der Krankenstand, so die Erfahrungen aus der Vergangenheit, denn die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes ist zu groß.

Unterschiede der einzelnen Berufsgruppen

Es gibt gravierende Unterschiede der einzelnen Berufsgruppen in Bezug auf Krankschreibungen. Die längsten Ausfallzeiten sind bei den Müllmännern und Straßenreinigern festgestellt worden, so fehlten diese durchschnittlich 28,8 Tage. Mit nur 4,9 Krankheitstagen im Durchschnitt schnitten die Hochschullehrer ab.